Dyskalkulie und Rechenschwäche

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Unter Dyskalkulie versteht die Weltgesundheitsorganisation (WHO): “Rechenstörung: Beeinträchtigung von grundlegenden Rechenfertigkeiten. Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fähigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie und Differenzial- und Integralrechnung benötigt werden.“

Rainer Dürr vereinfacht diese Definition und meint: „Dyskalkulie liegt vor, wenn die Grundlage für ein mathematisches Verständnis nicht oder nur unzureichend vorhanden ist.“ Die daraus resultierende Rechenschwäche kann sich auf die gesamte Schulleistung negativ auswirken und auch eine Prüfungsangst auslösen, sodass ein Intelligenztest eventuell nicht wirklich aussagekräftig ist und so eine Diagnose laut der Definition der WHO verhindert!     (Literatur: Rainer Dürre, Fit trotz Rechenschwäche! 2009)

Astrid Kopp-Duller unterscheidet klar zwischen der genetisch bedingten Dyskalkulie und der erworbenen Rechenschwäche. Bei erworbener Rechenschwäche werden die Rechenprobleme nicht durch differente Sinneswahrnehmungen hervorgerufen, sondern haben ihre Verursachung im physischen oder psychischen Bereich. Im Gegensatz zur Dyskalkulie ist sie nicht ein Leben lang vorhanden, sondern nur vorübergehend und benötigt zusätzlich zur pädagogischen Förderung auch eine Hilfe durch entsprechende Gesundheitsberufe (Mediziner und/oder Psychologen). Im Falle der Dyskalkulie muss die Förderung wie bei der Legasthenie im Bereich der Aufmerksamkeit, im Sinneswahrnehmungsbereich und im Symptombereich (individuelle Fehler) erfolgen.

Damit sich aus der vorliegenden Primärdyskalkulie (Dyskalkulie ohne weitere Probleme im psychischen oder physischen Bereich) nicht eine Sekundärdyskalkulie (mit zusätzlich erworbenen Problemen, vor allem im psychischen Bereich) entwickelt, ist es wichtig, dass das betroffene Kind möglichst früh unterstützt wird.

 

Durch konsequentes Training kann dem dyskalkulen Kind geholfen werden, seine Dyskalkulie in den Griff zu bekommen und den Schullalltag zu meistern.

Eine Checkliste mit Anzeichen für eine vorliegende Dyskalkulie finden Sie unter den Downloads.

Mathematische Lernschwierigkeiten, Rechenschwächen, Rechenstörungen, Dyskalkulie – verschiedene Begriffe – gemeinsam ist ihnen der erschwerte Erwerb grundlegender mathematischer Inhalte.

Ein Grund dafür sind frühe mathematische Missverständnisse. Unerkannt können sie lange Zeit bestehen bleiben und zu ungünstigen Rechen-Strategien führen. Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. Viele bringen schon mathematisches Vorwissen mit, andere beginnen ihre Schulzeit auf einem niedrigen mathematischen Niveau. Für Kinder, die sich im Vorschulalter nur wenig oder gar nicht für Zahlen und Mengen interessiert haben, kann das Tempo zu schnell sein, in dem es vom Kennenlernen der Zahlen und vom Zählen-Lernen zum Rechnen geht, weil Vorerfahrungen fehlen. 

 

Zählendes Rechnen  

Am Anfang des Rechnens steht bei allen Kindern das Zählen. Bedeutend für den weiteren Verlauf ist aber, dass sie nicht auf dieser Phase stehen bleiben. Parallel zur Entwicklung des Zählens muss sich neben der Zahlenreihe (ordinales Verständnis) auch ein Verständnis für Mengen (kardinales Verständnis) entwickeln. Im ungünstigen Fall bleibt das Kind auf die Zahlenreihe fixiert und rechnet damit auch zählend – und zwar ausschließlich und dauerhaft. Wenn das Kind das zählende Rechnen nicht im Laufe des ersten Schuljahres gegen günstigere Strategien eintauschen kann, wird es das auch später aus eigener Kraft nicht mehr schaffen. 

 

Auswendiglernen

Einige Kinder fassen Mathematik als eine Ansammlung von einzelnen Rechensätzchen auf. Verbal Begabte können auch ohne mathematisches Verständnis eine beträchtliche Anzahl von Sätzchen (3+5=8, 4×3=12 …) auswendig lernen. So fallen viele von ihnen – ähnlich wie schnelle Zähler – im Schulalltag längere Zeit nicht auf, aber irgendwann stoßen sie an ihre Grenzen! Wenn hinter dem Auswendiglernen kein Verständnis steckt, führt es wie das zählende Rechnen in eine Sackgasse. 

 

Rechenschwächen „wachsen“ sich nicht aus.

 Ganz im Gegenteil. Aus den betroffenen Kindern werden Jugendliche und Erwachsene, und die Probleme wachsen mit jedem Schuljahr weiter. Mathematik ist stark hierarchisch gegliedert. Das Gelernte ist jeweils Grundstock für die nächsten Schritte. Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten fällt es schwer, die Zusammenhänge von aktuell „Gelerntem“ mit vorherliegenden Inhalten herzustellen. Genauso fehlt auch das Bewusstsein für die Verbindung der Grundrechnungsarten. Wenn die ursächlichen Missverständnisse nicht erkannt und aufgearbeitet werden, bleiben sie langfristig bestehen. Neu „Gelerntes“ wird in das bestehende – wackelige – mathematische Gebäude eingebaut. Tragfähige mathematische Konzepte können nicht aufgebaut werden. 

 

Rechenschwache Kinder üben nicht einfach zu wenig. 

Sie üben oft mit viel Energie und Zeitaufwand das Falsche. Das Kind muss „abgeholt“ werden, wo es im mathematischen Sinne steht. Dazu ist eine genaue Erfassung des Lernstandes mit den vom Kind angewendeten Strategien nötig! Man muss erkennen, was im Lernprozess schiefgelaufen ist.

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